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Fake News: Wie Sie verbreitet werden und wie Sie sie erkennen


Es ist der 24. Juni 2022. Die Berliner Bürgermeisterin Franziska Giffey war für eine Videokonferenz mit ihrem Kiewer Kollegen Vitali Klitschko verbunden. Dachte Sie zumindest. Denn mit dem echten Klitschko war Giffey zu keinem Zeitpunkt im Gespräch, stattdessen telefonierten Betrüger mit Giffey, bis der Betrug nach einigen Gesprächsminuten auffiel. (Süddeutsche) Wenn es selbst hochrangigen Politikern und ihren Teams nur mit Mühe gelingt derartige Betrügereien aufzudecken, können Sie sich sicher gut vorstellen, wie schwer es „normalen“ Bürgerinnen und Bürgern fallen muss, zwischen Wahrheit und Fake zu unterscheiden. Im heutigen Blogbeitrag widmen wir uns daher dem großen Übel der Fake News und geben Tipps, wie Sie diese erkennen können.

Was sind Fake News eigentlich?

Fake News, übersetzt „gefälschte Nachrichten“, sind Informationen, die nicht der Wahrheit entsprechen, unbewiesene Behauptungen enthalten oder sich auf nicht stattgefundene Ereignisse beziehen. Diese werden am häufigsten in den sozialen Medien verbreitet und sind in der Regel wie klassische Beiträge aufgebaut. Geprägt wurde der Begriff der Fake News im US-Wahlkampf 2016 mit Donald Trump. (lmz-bw)

Interessant ist der Unterscheidungsansatz des Social Media Watchblog, der Fake News in drei grundsätzliche Arten unterscheidet. (socialmediawatchblog)

  • Desinformation

Falsche Informationen, die mit der Absicht in Umlauf gebracht, Menschen zu täuschen oder Schaden anzurichten, etwa manipulierte oder erfundene Inhalte wie das eingangs erwähnte Klitschko Gespräch.

  • Fehlinformation

Falsche Informationen, die unabsichtlich und ohne Täuschungsabsicht verbreitet werden. Diese können beispielsweise durch journalistische Fehler oder falsche Interpretationen entstehen.

  • Malinformation

Zutreffende Informationen, die gezielt veröffentlicht werden, um Schaden anzurichten, zum Beispiel das Zusammentragen und Veröffentlichen persönlicher Daten gegen den Willen der Betroffenen oder aus dem Zusammenhang gerissene Bilder oder Fakten, die Ängste schüren sollen.

Und auch wenn eine exakte Abgrenzung nur schwierig zu treffen ist, kann gesagt werden, dass Desinformation die Schnittstelle zwischen Fehlinformation und Malinformation bildet, also Information, die sowohl nicht der Wahrheit entspricht, als auch mit bösartiger Absicht verbreitet ist.

Warum sind Fake News so überzeugend?

Zunächst liegt das an der Verbreitungsweise. Fake News werden häufig über die sozialen Netzwerke verbreitet. Da wir auf diesen Netzwerken viel mit Menschen interagieren, die wir kennen und denen wir vertrauen, fällt es entsprechend leichter, den dort geteilten Informationen zu vertrauen. Die direkte Kommunikation untereinander bietet den Vorteil, dass ein großes Vertrauen vorherrscht und zudem eine große Verbreitungsgeschwindigkeit möglich ist.

Fake News stärken zudem Vorurteile. Da der Content, der auf den Netzwerken angezeigt wird vom Algorithmus entsprechend unserer Interessen gefiltert wird, bestärken Fake News innerhalb dieser Blase bestehende Ansichten und vorherrschende Meinungen.

Fake News geben zudem einfache und klare Antworten. Während in der Realität akademische Forschung nicht immer eindeutige Ergebnisse liefern kann und Studien, die die Ausgangshypothese nicht beweisen können, häufig nicht publiziert werden, stechen Falschnachrichten mit angeblich klaren Ergebnissen heraus. Insbesondere dann, wenn diese die vorherrschende Meinung stützen.  Dieser psychologische Vorgang wird Publikationsbias genannt, also die Voreingenommenheit in Bezug auf eine bewiesene Hypothese. (Quelle)

Außerdem befriedigen Fake News unsere Sensationsgier. Ein einfaches Narrativ, das auf die Spitze getrieben wird und mit übertriebener Sprache präsentiert wird, zieht schlicht mehr Aufmerksamkeit auf sich, als nüchterne Nachrichten aus dem echten Leben. Kurz gesagt ist es das Ziel der Falschnachricht zu polarisieren und Emotionen hervorzurufen.

Wie kann man sich vor Fake News schützen?

Zunächst ist es wichtig, dass Sie die Nachrichten genau anschauen. Passen Bild, Überschrift und Inhalt der Nachricht zusammen? Ist der Urheber der Nachricht bekannt oder existiert die Zeitschrift/Person/Medium überhaupt nicht? Gibt es ein Impressum, welches den Urheber deutlich macht? Mithilfe dieser Fragen können Sie ein erstes Gefühl für die Nachricht bekommen.

Im nächsten Schritt sollten Sie beim Lesen oder Anschauen der Nachricht einen kritischen Blick behalten. Indikator für Fake News kann beispielsweise sein, wenn auffallend viele Zahlen oder Zitate verwendet werden, ohne dass eine Quelle für diese angegeben wird. Handelt es sich bei der geteilten „Nachricht“ um einen Fakt oder nur um einen Meinungsbeitrag bzw. einen Kommentar? Zudem können Sie sich die Frage stellen, wem diese Falschmeldung nützen könnte.

Checken Sie dann die Fakten. Gibt es zu den aufgestellten Behauptungen eine zweite Quelle? Handelt es sich um angeblich relevante Informationen, die jedoch von keinem zweiten Medium aufgegriffen werden, ist Misstrauen absolut angebracht. Geben Sie dazu einfach die Überschrift der Meldung in Ihre Suchmaschine ein. Achten Sie auch auf das Veröffentlichungsdatum. Werden alte Nachrichten neu geteilt, ohne dies sichtbar zu machen, ändert sich deren Kontext, was je nach Situation eine komplett neue Bedeutung beinhalten kann.

Hilfreich kann auch sein, zu überprüfen, ob die Nachricht bereits von anderer Stelle untersucht und als Fake enttarnt wurde. Webseiten, die Meldungen auf ihren Wahrheitsgehalt hin untersuchen und Falschinformationen prüfen und nachrecherchieren, sind etwa der „Faktenfinder“ von Tagesschau.de oder correctiv.org.

 

Fake News können uns überall begegnen. Wie auch bei den anderen Bedrohungen der Online-Sicherheit ist der Faktor Mensch entscheidend. Glauben Sie nicht direkt alles was Sie sehen. Auch wenn es etwas aufwändiger sein mag, im Zweifelsfall sollte immer gelten: erst prüfen, dann teilen.